Vom beschlagenen Pferd zum Barhufgänger…

Barhufumstellung – Die Zwänge!
Viele Pferdehalter stellen irgend- wann fest, dass es mit dem Eisenbeschlag nicht mehr weiter geht. Die Gründe sind oft vielfältig: Durch jahrelanges beschlagen ist die Hornwand perforiert, bietet den Nägeln keinen Halt mehr und neigt zum Ausbrechen. Auch die verschiedenen Fehlstellungen, deren Korrektur mit einem dauerhaften Hufschutz nicht möglich sind, machen ein Umdenken erforderlich.

Auch bei meinem Pferd? Grundsätzlich kann jedes Pferd ohne Beschlag laufen. Ein Hufschutz ist dann notwendig, wenn der Abrieb in stärkerem Maße stattfindet als das Horn wächst.

Gute Gründe gegen Eisen…
• Eisenbeschlag schränkt die Hornkapsel in ihrer Beweglich- keit ein
• Gelenke sind den Bodenuneben- heiten schutzlos ausgeliefert
• Beschlag verhindert die optimale Durchblutung des Hufes
• Der natürliche Tastsinn des Pferdes wird unterdrückt – ein sorgsamer Umgang mit den Gliedmaßen ist nicht möglich
• Stellungsfehler werden im negativen Sinne unterstützt
• Erhöhte Verletzungsgefahr

Die Eingewöhnungszeit.
Das Barhuflaufen stellt für das Pferd eine enorme Umstellung mit individuellen Schwierigkeiten und Eingewöhnungszeiten dar. Nicht nur marodes Hufhorn, sondern auch die plötzlich einsetzende Elastizität der Hornkapsel kann dem Pferd zu schaffen machen. Die Mechanik des Hufes kann nun uneingeschränkt arbeiten und wird vom Pferd nicht nur als ungewohnt, sondern auch als unangenehm    bis    schmerzhaft empfunden. Auch wird der Bänder- und Sehnenapparat im Hornschuh und darüber hinaus auf die neuen Belastungen reagieren. Nach Abnahme der Eisen ist es sinnvoll, dem Pferd zu ermöglichen, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Zunächst sollte sich das Pferd frei und ungezwungen bewe- gen können, ohne von Artgenossen gejagt zu werden. Nur wenn es sich Standplatz und Wege suchen kann, um behutsam mit den empfindlichen ‚Füßen’ umzugehen, treten Proble- me gar nicht erst auf oder bleiben vertretbar. Trotz aller Vorsicht sind auftretende Probleme nie gänzlich auszuschließen.

Einflussnehmende Faktoren:
• Gesamtzustand des Hufhorns,
• Lastverteilung auf den Huf, • also auch dem Verhältnis von Körpergewicht und Hufgröße
• Rücksichtnahme des Reiters
• Zusammenarbeit mit dem Hufspezialisten

Sensible Hufsohle und brüchiges Horn
Kaum zu vermeiden ist, dass die beschädigte Hufwand ausbricht. Ungleiche Belastung (steile und schräge Wände), das Aufbrennen und Nageln zerstören das Hornmaterial und begünstigen diesen Prozess.Durch das Wegbrechen der Tragwandanteile muss die Hufsohle plötzlich einen Teil der Last tragen, was in der Folge zu Irritationen führt. Durch die jahrelange Bodenfreiheit ist die Sohle nun schwach, das Horn degeneriert, die Lederhäute äußerst sensibel. Nach Möglichkeit sollte der Bodenkontakt lange herausgezögert werden. Aus diesem Grund sollte überstehendes Tragrandhorn durchaus erhalten bleiben.

Pflege und Unterstützung Die regelmäßige Pflege durch einen sachverständigen Huforthopäden ist speziell in den ersten Monaten sehr wichtig. Es hat sich auch bewährt, alle Hornfransen umgehend zu glätten,    um    ein    großflächiges Ausbrechen zu verhindern. Gute Dienste    leistet    ein    temporärer Hufschutz, der Hufschuh. Dieser sollte perfekt sitzen und von Spezialisten angepasst werden. Obwohl sich Pferde mit diesem Schutz offensichtlich wohler fühlen, sollte dieser nicht regelmäßig angelegt werden. Eine gute Pass- form vorausgesetzt, wird der Druck auf die empfindlichen Bereiche vermieden.

Voraussetzungen
Bieten Sie Ihrem Pferd wechselnde Böden und eine adäquate Stallhygiene an und gönnen Sie ihm die wichtige Schonung. Verzichten Sie bewusst auf Analgetika. Mit dem Ausschalten der Schmerz- signale wird der notwendige Tast- sinn gedämpft, was zur Folge haben kann, dass Ihr Pferd unsensibel mit dem empfindlichen Huf umgeht. Ohne Schmerzmittel wird Ihr Pferd sicher die Hufe nicht über das verträgliche Maß strapazieren, Sie verringern also das Risiko von Huflederhautentzündungen und – verletzungen. Medikamentengabe sowie die lückenlose Anamnese sind dem Huforthopäden vor der Erstbehandlung zwingend mitzuteilen.

Dauer
Jede Angabe zur Dauer wäre reine Spekulation – einige Pferde sind bereits nach drei Monaten wieder einsatzfähig, andere benötigen länger. Der Zeitpunkt, ab dem eine vorsichtige Nutzung begonnen werden kann, ist individuell unterschiedlich und mit dem behandeln- den Huforthopäden abzustimmen.

Was können Sie erwarten?
Die Umstellung auf den Barhuf dient in jedem Fall der Gesundheit des Pferdes. Mit der adäquaten orthopädischen Hufbearbeitung werden Belastungs- und Stellungs- probleme gelöst und vermieden und die Umgewöhnungsphase positiver gestaltet.

Sehen Sie einer ‚hufgesunden’ Zukunft entgegen.

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